…der Countdown läuft und die Aufregung steigt. Wir fangen langsam an unsere Rücksäcke zu packen und auf das nötigste zu reduzieren.
TAG 1…irgendwie doch mehr los als erwartet
Tag 2…gar nicht mal so viel zu sehen
Jetlag auskurieren und langsam wieder an den indonesischen Lifestyle gewöhnen…genau dafür ist Medan super. Ansonsten hat die Stadt unserer Meinung nach nicht sonderlich viel zu bieten außer einer Riesen Smog-Wolke die über den Dächern hängt. Ein paar Eindrücke haben wir trotzdem eingefangen…




Tag 3- selamat datang di BERASTAGI
Die erste längere Tour liegt hinter uns…Durch dichten Verkehr ging es gen Süden Richtung Berastagi. Vorbei an riesigen Flughunden in Käfigen am Straßenrand und Schweinen auf Moped-Beiwagen sind wir nach 67km bei Kaesa im Homestay angekommen. Große Freude brachte ein Bad im Zimmer welches sogar warmes Wasser zu bieten hatte. Los ging es also auf Erkundungstour über den local market und zum vegi-freundlicheren Teil dem fruit-market 😉 Vollkommen k.o. ging es für uns ins Bett denn die Ereignisse des nächsten Tages sollten keine Müdigkeit zulassen…



Tag 4…es stinkt und meine Knie zittern
Der Tag startete mit Kaffee und Frühstück…Bananapancake mit Käse??? – klingt komisch aber ist echt lecker (p.s. übrigens war das keine kreative Freiheit der Guesthouse-Mutti sondern eine beliebte Kombi in Berastagi). Schnell die Trekkingschuhe geschnürt und ausreichend Wasser eingepackt geht es für uns ab auf den Roller Richtung Mount Sibayak. Der Aufstieg ist schon ein Erlebnis für sich, jedoch wussten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht wie sich der Abstieg gestalten würde…seht einfach selbst im Video.




Tag 5…ein bisschen Promifeeling
Heute führt uns unser Weg Richtung Süden an den Lake Toba- einem der größten Vulkankraterseen der Welt. Erster Stopp war der Sipisopiso-Wasserfall…eigentlich schon typisch für uns entschieden wir uns in der prallen Mittagssonne für den Abstieg ohne bereits dran zu denken dass wir ja auch irgendwann wieder nach oben müssen. Der Abstieg hat sich auf jeden Fall gelohnt, inklusive der kurzen Erfrischung direkt am Wasserfall. Wieder oben angekommen schauten wir uns noch bisschen um und wurden von einer Mädchenschulklasse förmlich überrannt. Alle redeten durcheinander da jede ihr Englisch verbessern wollte. Nach dem kurzen Interview gab es noch viele viele viele Fotos in sämtlichen Konstellationen und zurück blieb schon eine Art „Promigefühl“. Das sich das ganze noch steigern kann wussten wir bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht 😉


Wieder auf den Roller geschwungen ging es zurück zu Kaesa nach Berastagi, denn immerhin wartete noch das Dorffest anlässlich des Geburtstages des Bezirkes auf uns. Also rein in die Puschen und los ging. Kaum da angekommen, zogen wir alle Blicke auf uns. Bereits die ersten die sich trauten uns anzusprechen, sagten uns wir können alles kostenlos essen und trinken, denn immerhin sind wir Gäste der Stadt. Schon etwas verwundert über diese Aussage ging es Richtung Zentrum des Festes da hier traditionelle Tänze aufgeführt wurden und natürlich wollten wir uns dies nicht entgehen lassen. Um ehrlich zu sein bekamen wir vom Tanz nicht soviel mit, sind aber stattdessen auf gefühlten 100 Handys verewigt. Selbst für Polizei und Militär durften wir in die Kamera lächeln.
So aber jetzt genug Fotos gemacht…wir hatten Hunger. Ab ins Panorama Resto …nächste Merkwürdige Begegnung: eigentlich schon fast routiniert betraten wir das Restaurant und fragten natürlich auf englisch nach einem freien Platz. Der Eigentümer ( der Vollständigkeit halber erwähne ich mal das er Indonesier war ) begrüßte uns im feinsten Hochdeutsch mit „Grüß Gott“…ein kurzer Smalltalk offenbarte dann das er mehrere Jahre in Deutschland verbracht hat. Die Gastfreundlichkeit war sehr herzlich und das Essen ausgesprochen gut. Gestärkt machten wir uns auf den Rückweg, diesmal mit weniger Fototerminen 😉
Tag 6…Richtung Dschungel
Wir schnürten unsere Sachen zusammen und machten uns auf den Weg Richtung Ketambe in den Dschungel. Doch vorher führte uns unser Weg nach Berastepu…Beraste-Was?- Es ging in ein kleines Dorf nahe des Sinabung Vulkans. Aufgrund des letzten Ausbruchs 2014 verließen alle Einwohner fluchtartig ihre Häuser und kehrten auch bis jetzt nich wieder zurück. Demnach war es schon etwas gruselig durch ein vollkommen verlassenes Dorf zu fahren und in Häuser schauen zu können die teilweise noch komplett eingerichtet waren. Der einzige Einwohner (eine schwarze junge Kuh) begann irgendwann mich zu verfolgen, was für uns wohl das Zeichen war zu gehen 😉 Nach 180km waren wir am Ziel bei Irwan und Dieuwertje im Pondok Wisata Guesthouse und freuten uns über eine kühle Cola. Die Atmosphäre war schon atemberaubend und ein Gefühl von Herzlichkeit machte sich breit. Spontan entschieden wir uns noch am Abend am nächsten Tag in den Dschungel zu trekken. Keiner wusste so richtig was zu erwarten war, jedoch wünschten sich alle eine unvergessliche Zeit…also schnell ab ins Bett und Kraft sparen für die kommenden Tage.



Tag 7 & 8…long hair no scare
07:00 Uhr Weckerklingeln…07:30 Uhr Kaffee…Rucksack gepackt? – Check…Mückenspray dabei? – Doppel Check… Trekkingboots bereit? – Check…ausreichend Wasser dabei?- Check…Na dann los…Steil ging es bereits am Anfang bergauf. Langsam wurde allen klar, dass das ganze nichts mit einem gemütlichen Spaziergang zu tun hat. Doch bereits nach einer halben Stunde waren sie da – Orang Utans. Hoch oben in den Bäumen, kaum mit der Kamera einzufangen, machten sie Stopp für ein kurzes Frühstück. Schon voller Eindrücke ging es weiter über Wurzeln bergauf und bergab. Nicht einmal 10 Minuten später kreuzte eine kleine Gruppe Orang Utans unseren Weg, auf der Suche nach Proteinen. Das wir den großen roten Riesen so nah kommen würden hätte wohl keiner gedacht. Bilder und Videos können fast nicht beschreiben wie toll diese Erfahrung war, doch wir versuchen es einmal…



Ihr könnt euch gar nicht ausmalen wie sehr wir uns über eine eiskalte Dusche und eine Cola nach der Rückkehr ins Guesthouse gefreut haben…Wir ließen alles Revue passieren und bereiteten uns schon gedanklich auf den morgigen Tag vor…
Tag 9…wir können nicht aller 10 Minuten anhalten
Vor uns lagen 230km voller Kurven und die wohl schönste Strecke Sumatras, wenn nicht sogar weltweit. Also mal wieder die Backpacks auf die Roller geschnürt und los. Bereits nach kurzer Zeit streiften allerlei Affen unseren Weg, jedoch sollten das nicht die einzigen tierischen Begegnungen dieses Tages bleiben. Es ging aus dem Dschungel durch das Gayo-Hochland Richtung Takengon. Sämtliche Reiseführer und Onlineblogs haben nicht zuviel versprochen. Zwischenzeitlich musste ich David davon abhalten nicht alle 10 Minuten anzuhalten um unsere Eindrücke einzufangen. Weit über dem Meeresspiegel gleicht die Vegetation schon fast europäischen Verhältnissen. Ein Affe in den Nadelbäumen erinnerte uns wieder daran, dass wir nicht in Heimatnähe waren. Nach den ersten hundert Kilometern kreuzten nicht nur Affen unsere Straße sondern auch Ziegen, Schafe, Kühe und Wasserbüffel. Letztendlich sind wir zu dem Entschluss gekommen, das sämtliche Reiseführer recht hatten und wir nicht bereut haben, den Weg auf uns genommen zu haben.






Tag 10 … weiter in den Norden
Angekommen in Takengon machten wir uns auch irgendwann auf die Suche nach einem Platz zum Abendessen. Das ganze gestaltetet sich schwieriger als gedacht, da der Ort zwar touristisch ist, jedoch nicht für ausländische Touristen wie uns. Letztendlich war ein kleines Café mit Snackangebot gefunden. Obwohl mal wieder die Hälfte der bestellten Sachen nicht vorrätig war (zu meinem ersehnten Avocadocoffee komme ich bestimmt nicht mehr) wurden wir doch irgendwie satt und kehrten ins Hotel zurück. Langsam merkten wir bei unseren Touren und Ausflügen auch, dass sich nicht nur die Natur änderte, sondern auch die Einstellung uns gegenüber. In der Region Aceh (in der wir uns jetzt befinden) herrscht seit März 2003 das Recht der Scharia. Selbstverständlich kleidete ich mich dementsprechend mit langen Oberteilen ohne Ausschnitt, langen Hosen und geschlossenen Schuhen, jedoch hatten wir beide das Gefühl, dass ich ständig unter Beobachtung stand da ich kein Kopftuch trug. Im Allgemeinen waren die Menschen nach wie vor sehr freundlich, jedoch weniger aufgeschlossen und kontaktfreudig als wir das vom Rest der Indonesier gewohnt waren…es bleibt spannend wie sich das auf dem Rest unserer Reise entwickelt…nächstes Ziel Lhokseumawe: wir hoffen auf ein bisschen Strandfeeling. Die Hotelbuchung für den Ort gestaltete sich schon etwas schwieriger da neben einer einheimischen Hotelkette in diversen Ausführungen nichts buchbar war…aber HEY wo ist denn unser Abenteuersinn 😉
Tag 11…bloß weg hier
…ok zugegebenermaßen hat der Abenteuersinn seine Grenzen. Ich gebe euch gern einen kurzen Einblick in den Verlauf des gestrigen Tages. Angekommen am „Hotel“ waren wir vom schäbigen äußeren noch nicht mal groß geschockt oder beeindruckt. Aufgrund der oben beschriebenen religiösen Verhältnisse entschieden wir uns dafür, dass David das Zepter in die Hand nimmt und zum Check in geht. Noch völlig ahnungslos wartete ich draußen, froh zu sein nicht mehr auf dem Roller sitzen zu müssen, als David lachend wieder aus dem Hotel kam. So richtig verraten wollte er mir nicht was so lustig war, bis ich das Zimmer sah…im Keller…kein Fenster…fleckige Decken, Wände, Kopfteil…ein halb auseinander fallender Schrank…schreiende Kinder auf dem Flur…ach ja und der verwöhnend gute Geruch nach Kakerlakenspray (am nächsten morgen sahen wir auch warum das nötig war)…so viel zum Thema Abenteuersinn !!! Schnell die Rücksäcke ins Zimmer gepackt und alles sicher verstaut machten wir uns auf die Suche nach einem Stück Strand. Vielleicht eine frische Kokosnuss und ein Plätzchen, welches schöner ist als dieses Loch. Weit gefehlt. Der Strand entpuppte sich als kleiner Sandstreifen durchbrochen von Schiffsbauanlagen und Fischereiequipment. Da standen wir nun-hungrig und etwas planlos was wir machen sollten. Nach einigem auf- und abfahren am „Strand“ entschieden wir uns für ein verfrühtes Abendessen.
Möglichkeit 1: morgen abreisen in den nächsten Ort, indem es noch weniger Hotelauswahl gibt (Hotelauswahl bestand aus 2 Varianten von der selben Kette, die uns auch schon den Luxusbunker gestellt hatten indem wir jetzt schlafen) – Gesamtstrecke 170 km : Fahrtzeit ca. 6 Stunden
Möglichkeit 2: Abreise mit Ziel Bukit Lawang (unsere letzte Destination) – Gesamtstrecke 350 km : Fahrtzeit ca. 11 Stunden
Entscheidungsfindung : GANZ KLAR…WEG HIER…GANZ GANZ WEIT WEG. Schnell noch eine Nachricht in Richtung Bukit Lawang geschickt ob wir eher kommen können, aufessen, Rücksäcke packen (um ehrlich zu sein haben wir eh nix ausgepackt 😉 ) und schnell schlafen, denn um 6 Uhr klingelt der Wecker.
Tag 12…die längsten 20km während der Reise
Der Plan stand und die Umsetzung lag nun vor uns. Das aufstehen gegen 6 Uhr morgens viel uns in der Tat gar nicht mal so schwer. Innerhalb von 30 Minuten hatten wir dann auch ausgeheckt, Roller gepackt, einen schnellen Kaffee getrunken und das Hotelgelände verlassen. Ab wieder Richtung Süden zurück in den Dschungel nach Bukit Lawang. Die Straße ging größtenteils durch mehrere kleine Städte was das Vorankommen um einiges leichter machte aufgrund des recht passablen Straßenzustandes. Doch wo wäre das Motto „Abenteuerurlaub“ wenn eine Strecke von 350km ganz ohne Probleme ablaufen würde 😉
Nur fürs Protokoll- das war nicht die einzige Brücke dieses Kalibers. Die letzte hat auch mich in die Knie gezwungen, sodass David meinen Roller sicher auf die andere Seite bringen musste und ich zu Fuß ging.

Auf dem Weg nach Bukit Lawang führte unsere Route auch an dieser Kautschuk-Fabrik vorbei. In mitten einer tollen Landschaft ragen diese beiden Schornsteine empor und wirken eher wie ein schlecht gephotoshopptes Bild. Generell ist der Wegesrand geprägt von Kautschuk- und Palmölplantagen, welche in diesem Teil Sumatras einen großen Teil der Landwirtschaft ausmachen. Ein Urteil hierüber soll sich jeder selber bilden und vielleicht regt es ja für einen Moment zum nachdenken an…
Die letzten 20km kamen uns vor wie eine Unendlichkeit und waren der sonst so guten Laune auch nicht besonders zuträglich. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 3-5km/h ging es auf der „Hauptstraße“ Richtung Ziel. Nach genau 10,5h empfing uns Peggy im Sumatra Vibes Eco Stay mit einem Kaffee und frisch gepressten Saft und wir waren einfach nur glücklich an diesem wundervollen Ort angekommen zu sein…Ein Gefühl von Herzlichkeit machte sich breit. Nach dem ersten beschnuppern war klar das wir auf einer Welle surften und machten uns auf, den Abend bei omA&opA ausklingen zu lassen.
Die nächsten Tage vergingen wie im Flug…mit Barbecue am Fluss, Höhlenbesichtigungen, Dorfbummelein und Tubing auf dem Bohorok-River…hier ein paar kleine zusammengefasste Eindrücke und Anekdoten von unserer Zeit in Bukit Lawang bei Peggy und Riski.



Ein nachmittäglicher Ausflug führte uns zu Bobby ins Rescue-centre. Er und sein Team kümmern sich um gestrandete Wildtiere und wildern diese, nach dem aufpäppeln, im Dschungel wieder aus. Von dem Areal gibt es nicht nur einen tollen Blick über das Dorf, sondern auch zahlreiche Infos über sämtliche Dschungelbewohner und ihre Geschichten. Auf jeden Fall ein Projekt was sich lohnt zu unterstützen!!!
Unweit vom Dorfkern befindet sich die Bat-Cave – ein Höhlensystem mit Fledermäusen, allerlei Krabbeltierchen, Schwalben und Fröschen. Nach einem kurzen Fußmarsch erreichten wir den Eingang, konnten unsere Rucksäcke abgeben (denn mit Rucksack geht es irgendwann nicht mehr weiter) ,bekamen Taschenlampen und natürlich einen Guide zur Seite gestellt der uns durch das Höhlensystem führte. Ganz am Ende angekommen spürten wir die totale Dunkelheit als alle die Taschenlampen ausmachten und wir lediglich den Geräuschen in der Höhle lauschten…doch genug gegruselt…ab ans Tageslicht. Auf dem Weg nach draußen kreuzte noch eine Orang-Utan Familie unseren Weg und rundete das Erlebnis ab. Am Fluss gab es Barbecue und der Moment hätte nicht schöner sein können.



Mit lauter guter Laune im Gepäck ging es ein paar Tage später zum Tubing auf dem Bohorok-River. Unser Boot bestand aus 4 großen zusammengezurrten Reifengummis. Vorn und hinten jeweils 2 „Decksmänner“ an Bord ging der Spaß auch schon los. Aufgrund der Trockenzeit hieß es zwar öfter mal „Alle Mann aussteigen“, was aber dem Erlebnis keinen Abbruch tat. Das obligatorische BBQ am Fluß gehörte natürlich wieder mit dazu. Unser Highlight war die Rückfahrt auf den Reifen, welche auf das Autodach geschnallt waren. Neben allerhand gekicher gab es ab und an ein lautes „HATI HATI“ (Achtung Achtung) aufgrund der runter hängenden Palmblätter oder Stromkabel.

Wir genossen die Tage und vergaßen fast den Sturm, namens Corona, der zu Hause tobte und sich langsam in unsere Richtung ausbreitete. Nach etlichen Krisenabenden mit anderen Abenteurern und langen Telefonaten nach Deutschland, sei es Reisebüro, Auswärtiges Amt und natürlich Mama und Papa, entschieden wir uns, Vernunft gesteuert, 4 Tage vorher den Heimweg zu wagen. Auf gut Glück und mit viel einheimischer Unterstützung brachen wir Richtung Flughafen auf und hofften, dass uns eine Maschine näher Richtung Heimat bringen würde. Letztendlich flogen wir über Java nach Tokio um in Frankfurt zu landen und mit dem Zug weiter nach Hamburg zu fahren. Nach ca. 48h erreichten wir dann unser zu Hause und freuten uns auf ein Glas Wein und unser Bett.
Was bleibt sind nicht die Strapazen des Rückwegs oder die Verkürzung unseres lang ersehnten Urlaubes…es bleibt das Gewissen Freunde gefunden zu haben und zu wissen dass da ein Stück Heimatgefühl am anderen Ende der Welt wartet…DANKE an alle die uns bei unserer reise unterstützt haben.
